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rheinische ART 12/2010

 

Archiv 2010: aus "Übrigens"

Wie das zerstörte Kölner Archivgut virtuell rekonstruiert werden kann


Schnipsel um Schnipsel


Der Einsturz des Historischen Archivs und seine Folgen: Was gemeinhin Anlass genug wäre, in depressive Verzweiflung zu verfallen, animiert die Kölner selbst im Angesicht der Katastrophe, ihren Hang zu Ironie und Humor einmal mehr unter Beweis zu stellen: „Köln Flocken“ haben gewitzte Köpfe in Anlehnung an eine bekannte Haferflockenmarke jene Abermillion Akten- und Dokumenten-Schnipsel getauft, die von der Einsturzstelle des Historischen Archivs der Stadt Köln in den vergangenen Monaten geborgen werden konnten.

 

Die Bruchstücke der ehemals so gut behüteten Dokumente werden gesammelt und gesäubert. Jetzt sollen sie mit Hilfe moderner Technik virtuell wieder zusammengefügt werden. Foto Stadt Köln

ES IST EIN schier unübersichtlicher Wust kleiner und kleinster, noch einigermaßen erkennbarer, aber komplett aus ihrem alten Zusammenhang gerissener Bestandteile einst sorgsam gepflegter Bestände. Diese Schnipsel wieder in ihren ursprünglichen Kontext einzufügen und die zerstörten Archivalien zu rekonstruieren, wird eine der Mammutaufgaben sein, denen sich die Fachleute in den kommenden Jahrzehnten gegenübergestellt sehen.
    Um zu retten, was zu retten ist, dafür bedarf es gewisser Verfahren, an deren Entwicklung derzeit getüftelt wird. Dr. Bettina Schmidt-Czaia, Amtsleiterin des Historischen Archivs, blickt in dieser Hinsicht hoffnungsvoll in Richtung Berlin. Dort betreibt die so genannte Birthler-Behörde seit Jahren die mühevolle Aufarbeitung der Hinterlassenschaften der einstigen Staatssicherheit der DDR. Auch dort sehen sich die Experten mit einer riesigen Menge zerstörter Unterlagen konfrontiert, die vor dem Untergang des alten Regimes eilig entsorgt werden sollten: rund 15500 Säcke mit zerrissenem Schriftgut.

 

Die Technik soll helfen

 

In Köln gab Hans Altendorf, Direktor bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU), jetzt einen Einblick in das Zukunfts- und Entwicklungsprojekt „Virtuelle Rekonstruktion“, mit dem die Berliner Behörde im Pilotverfahren zunächst den Inhalt einiger hundert Säcke mit zerstörten Stasi-Unterlagen über aufwendige Scan-Verfahren analysieren und wieder zusammensetzen will. Was seit 1995 in großem Stil manuell erfolgte, soll durch die Technik nun erleichtert werden. Bis 2013 will man dem Bundestag einen ersten Zwischenbericht vorlegen können.
    Das Kölner Archiv wiederum erhofft sich daraus mittelfristig Synergieeffekte bei der Wiederherstellung der eigenen zerstörten Bestände. „Es dürfte aber noch wesentlich komplizierter sein“, sagt Bettina Schmidt-Czaia mit Verweis auf die traurigen Relikte des Einsturzes. Schnipsel ist eben nicht gleich Schnipsel. Das zu entwickelnde Assistenzsystem zur rechnergestützten Wiederherstellung der Dokumente bietet gleichwohl die Grundlage, hier wie dort Erfolge zu zeitigen.
    Derzeit sind rund 85 Prozent der Archivbestände aus der Einsturzstelle geborgen und erstversorgt worden. Untergebracht wurden sie in 20 Asylarchiven. Nach ersten Schätzungen, so Schmidt-Czaia, weisen insgesamt 35 Prozent des Bergungsgutes „schwerste mechanische und/oder durch Feuchtigkeit verursachte Schäden auf“. Die Birthler-Behörde ist mit ihren fachlich versierten Archivaren unabhängig von den gerade skizzierten Zukunftsvisionen bereits in die Rettungsaktion eingebunden.
Simon Hopf

                     

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