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rheinische ART 12/2010

Archiv 2010: aus "Gelesen"

 

200 Jahre Friedhof Melaten in Köln – Eine morbide Schönheit

Von Simon Hopf

 

Grab(Denk)mäler auf dem Melaten-Friedhof in Köln

Op Melote bejrave zo sin – für einen echten Kölner mag es kaum eine schönere Vorstellung geben, denkt er an jenen Ort, an dem er dereinst zur ewigen Ruhe gebettet werden will. Der Friedhof Melaten – auf gut Kölsch „Melote“ genannt – gehört zu jenen Kölner Besonderheiten, die der eilige Tourist, der sich vor allem auf die Sehenswürdigkeiten der Innenstadt konzentriert, schnell außer acht lässt. Dabei dürften sich gerade dort, auf dem wenige Kilometer westlich der Altstadt an der Ausfallstraße nach Aachen gelegenen Gottesacker, einige spannende Entdeckungen machen lassen, die weitere Aufschlüsse über die „Kölsche Siel“ – die Kölner Seele also – geben.
 

Der Friedhof Melaten wurde am 29. Juni 1810 eingeweiht und ist insbesondere wegen seiner kunst- und kulturhistorischen (Grab-)Denkmäler von herausragender Bedeutung. Als einen der prächtigsten Friedhöfe Deutschlands bezeichnen ihn Marianne Vogt-Werling und Michael Werling. Die freiberufliche Architektin sowie Gutachterin der Denkmalpflege und der Professor für Baugeschichte sind Autoren des im Greven Verlag Köln erschienenen Buches „Der Friedhof Melaten in Köln – Alle Denkmäler und ihre Zukunft“. Ein Buch, das sich als Handlungskonzept und Zielvorgabe verstanden wissen will, denn: Die Erhaltung und Instandsetzung des reichen Denkmalbestandes erfordert gewaltige Anstrengungen. Zugleich wird ebenso deutlich, dass es an Sensibilität im Umgang mit den wertvollen Monumenten in der Vergangenheit häufig gefehlt hat.
   Für den Laien erfordert die Lektüre des Buches einen gewissen Hang dazu, sich mit einer auf den ersten Blick recht sperrigen Problemstellung auseinandersetzen zu wollen. Präzise und schnörkellos gehen die Autoren in vier Kapiteln die Thematik an: Beginnend mit der Geschichte des Friedhofs, folgen die Erfassung des heutigen Zustands sowie die daraus abgeleiteten Untersuchungsergebnisse. Eine gewinnbringende Information stellt der abschließende Anhang dar, in dem sich neben einem Glossar zu Grabmaltypen (z. B. Ädikula, Cippus und Findling) auch eine Auflistung symbolischer Darstellungen findet, die jedem Besucher eines Friedhofs schon einmal ins Auge gefallen sein dürften. Angesichts der Anstrengungen, die zur Sicherung der Denkmäler auf Melaten unternommen werden müssen, findet sich am Ende des Buches konsequenterweise ein Appell, Patenschaften für denkmalgeschützte Grabstätten zu übernehmen.

 

Gegründet vor 200 Jahren


So historisch die Anlage des Melaten-Friedhofs heute auch anmutet – darüber darf nicht vergessen werden, dass sie bei ihrer Gründung vor 200 Jahren den neuesten Anforderungen und Anschauungen entsprach. Die Basis bildete im damals französischen Köln das 1804 erlassene „Décret impérial sur les sépultures“, in dem das Bestattungswesen neu geordnet wurde: In 27 Artikeln wurde von der Lage und Einrichtung des Friedhofsareals bis hin zu Bepflanzung und Kult alles Relevante geregelt. Vorausgegangen war die Säkularisation aller bis dato katholischen Begräbnisstätten, die altem Herkommen und religiöser Überzeugung gemäß in und außerhalb der Kirchen – und damit innerhalb der Bebauung – angelegt gewesen waren. Für die Stadt Köln bedeutete dies, die Planung eines neuen Friedhofs angehen zu müssen. Als Standort wählte man die Grundstücke des 1767 geschlossenen Leprosenhauses Melaten, das 1808 mitsamt der dazugehörenden Kapelle und den umgebenden Ländereien von der Hospizienkommission erworben wurde. Die Gestaltung des Friedhofs übernahm der Kanonikus und ehemalige Universitätsrektor Ferdinand Franz Wallraf (1748-1824), ein aufgeklärter Geist. Er entwarf das Gelände nach dem Vorbild des Pariser Friedhofs Père Lachaise, wobei von Anfang an auch der Erholungsfaktor der entstehenden Grünflächen für die Kölner Bürger in den Blick genommen wurde. Eine Weiterforcierung dieses Ziels erfolgte unter dem Königlichen Gartenbauinspektor Maximilian Friedrich Weyhe (1775-1846), der ein Bepflanzungskonzept erarbeiten sollte. „Ob dieser Weyhe-Plan vollständig oder nur in Teilen umgesetzt wurde, ist unbekannt“, heißt es dazu seitens der Autoren. Es sei, wie es sei, Fakt ist: Zum „Erlebnis Melaten“ gehört der vorhandene Grünraum zweifellos, da es nicht zuletzt die Natur ist, die in Symbiose mit den patinierten Grabdenkmälern auf den Betrachter jene geheimnisvoll-mystische Faszination entfaltet, aufgrund der ein Gang über den Melaten-Friedhof im Gedächtnis haften bleibt.
 

 

Übrigens: Wer sich angesichts trüber Herbstwitterung nicht auf den Weg machen möchte, für den bietet das Buch „Der Friedhof Melaten in Köln“ einen besonderen Service. Beigefügt ist eine DVD mit Belegungsplan und digitalem Rundgang. Dies ermöglicht, sich auf dem Computerbildschirm jeden denkmalwerten Grabstein, Baulichkeiten und weitere Einrichtungen des in den vergangenen 200 Jahren mehrfach und großflächig erweiterten Gottesackers vor Augen zu führen.
Erhältlich ist das von der Kölner Stadtkonservatorin herausgegebene Buch (96 Seiten, 111 Abbildungen) zum Preis von 15 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-7743-0471-0).

 


 

 

 

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