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rheinische ART 06/2010

Archiv 2010: aus "Architektur"

50 Jahre Düsseldorfer Dreischeibenhaus

 

Haus ohne Hüter?

 

Der Geburtstag fällt eher trist aus. 50 Jahre alt wird das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in diesem Jahr: Landmarke, Architekturklassiker, städtisches Wahrzeichen, Symbol prosperierender Wirtschaft, Thyssen-Hochhaus. Seit den Sechzigern hat der markante Bau an der Hofgartenstraße in Düsseldorf viele Benennungen erfahren. Einer der Namensgeber, die ThyssenKrupp AG, wird Ende Juni 2010 das Gebäude geräumt haben und seine Verwaltung nach Essen verlagern. Das Konterfei des Konzerns an der Stirnseite des Hochhauses dürfte dann Geschichte sein.


 

Lange Zeit ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt: Das Dreischeibenhaus in Düsseldorf. Im Vordergrund befindet sich eine der Baustellen der U-Bahn      Foto ruwoi

 

ZUKUNFT - ungewiss? Die auf 25 Stockwerke verteilten 30.000 Quadratmeter Büro-und Nutzfläche wollen verkauft oder vermietet werden. In Zeiten wirtschaftlicher Schwäche kein leichtes Unterfangen, auch wenn das Architekturdenkmal vor 16 Jahren komplett saniert und modernisiert wurde. Und im „Kö-Bogen“ vis-a-vis, der derzeit gebaut wird und für dessen Optik kein geringerer als der US-Stararchitekt Daniel Libeskind verantwortlich zeichnet, sind künftig Nutzflächen im Umfang von noch einmal 40.000 Quadratmetern zu erstehen. Interessenten für eines der berühmtesten deutschen Hochhäuser sind derzeit nicht bekannt.


- Die Moderne wird salonfähig -


Da ist ein Blick in die Geschichte lohnend, denn er verdeutlicht die Besonderheit des prominenten Düsseldorfer Baukomplexes. Und er erinnert an eine Zeit, in der die Baumeister eine eigene unverwechselbare Ausdrucksform fanden. Die Architektur der Sechziger: Nicht immer schön, aber auch nicht immer hässlich, oft nicht mehr Zweck- sondern Mehrzweckbau, bewahrenswert vielfach, nicht selten jedoch bereits dem Abriss geweiht.

   Das Dreischeibenhaus ist eine andere Kategorie. Das zwischen 1957 und 1960 errichtete 95 Meter hohe Gebäude war das erste Hochhaus der Nachkriegszeit in der Landeshauptstadt und einer der Glanzpunkte der seinerzeitigen Architektur. Sachlich, streng, modern - in Anlehnung an die amerikanischen Hochhäuser Manhattans, die zweifellos Vorbilder waren, griff mit dem Dreischeibenhaus in Deutschland die „Internationale Moderne“ der Architektur Raum und setzte neue Maßstäbe.

   Herausragende und für jene Bauzeit sehr innovativ geltende Konstruktionsmerkmale sind die Stahlskelettbauweise mit vorgehängter Fassade und die Dominanz der Materialien Aluminium, Edelstahl und Glas. Dies führte zu einem fast spielerisch leichten Ausdruck, zu einem spiegelnden Gebäude mit dem Charakterzug der Offenheit und Transparenz. Der kühne Entwurf stammt von der Düsseldorfer Architektengruppe Hentrich, Petschnigg & Partner (HPP).


Die Architekten

 

Der gebürtige Krefelder Helmut Hentrich (1905-2001) hatte in den späten 20er Jahren als Student in Berlin bei Ludwig Mies van der Rohe, dem bedeutendsten Architekten der Moderne, erste Kontakte mit der neuen Architekturrichtung. Hentrich und der Klagenfurter Hubert Petschnigg (1913-1997) gründeten 1953 in Düsseldorf die Architekturgruppe HPP (Hentrich, Petschnigg & Partner). Beide waren nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihren eleganten Hochhaus-Konstruktionen wegweisend für den deutschen Hochhausbau.

  Berühmt wurden sie mit dem Dreischeibenhaus. Von den Reißbrettern des HPP-Büros stammen aus jener Phase u.a. auch das BAT-Hochhaus in Hamburg (1960), das Bayer-Hochhaus in Leverkusen (1963) und das Kölner Vierscheibenhaus des WDR (1970). Ebenso basieren die Aula der Bonner Universität (1956) und die Düsseldorfer Tonhalle (1978) auf Plänen von Hentrich/Petschnigg. Auf Kritik stießen allerdings ihre Entwürfe für die Bochumer Ruhr-Universität. Sie gilt heute als typisches Negativbeispiel für eine abweisende, rein an Funktionalität orientierte Nachkriegsbauweise.


  Sie gewannen den 1955 ausgeschriebenen Wettbewerb um den Bau des neuen Verwaltungsgebäudes der Phönix-Rheinrohr AG und zwei Jahre später begannen die Bauarbeiten. Im Volksmund hatte sich für das schmale Hochhaus schon bald der bis heute übliche Begriff „Dreischeibenhaus“ durchgesetzt: Denn der gesamte Verwaltungsbau besteht aus drei nur je 6 Meter breiten und dicht beieinander stehenden, gegeneinander versetzten scheibenähnlichen Einzelbaukörpern. Sogenannte Erschließungsflure verbinden an den Fugen die drei „Scheiben“ miteinander. Diese konstruktionsbedingte Eigenheit hat bis heute den funktionellen Nachteil, dass die Räume in den einzelnen Bürotrakten nicht beliebig aufgeteilt werden können. Die spezielle Architektur des denkmalgeschützten Verwaltungshochhauses fordert von künftigen Käufern oder Mietern somit gewisse bauliche Zugeständnisse und Anpassungen.


- Wechselnde Herren -


Die Besitzverhältnisse änderten sich durch diverse Unternehmensverschmelzungen mehrfach. Der Stahlkonzern Thyssen übernahm zunächst 1964 die Phoenix-Rheinrohr-Werke und damit auch das Dreischeibenhaus, das ab 1966 als Hauptverwaltungssitz von Thyssen diente. Neun Jahre später verkaufte der Konzern das Gebäude, das mittlerweile auch gerne als „Thyssen-Hochhaus“ bezeichnet wurde, an die Deutsche Leasing-Gesellschaft. Seit der Fusion mit dem Konkurrenten Krupp 1999 zu dem Konzern ThyssenKrupp ist das markante Wahrzeichen Sitz von Teilen der Verwaltung und des Konzernvorstands. Schließlich wurden 2007 mehr als zwei Dutzend Immobilien - darunter auch das Dreischeibenhaus - von ThyssenKrupp an RREEF, der Immobilienfonds-Tochter der Deutschen Bank, veräußert. Seither hat der scheidende Hausherr das Bürohochhaus als Mieter genutzt.

Klaus M. Martinetz


2015 wurde das revitalisierte Dreischeibenhaus mit dem MIPIM-Award ausgezeichnet. (mehr)



 

 

 


 

 

 

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