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rheinische ART 08/2010

 

Archiv 2010: aus "Kunst erleben"

Zwischen Minimalismus und Sinnlichkeit

 

THE WAY 道 DER WEG von

 

Abraham David Christian

 

Der Kohlestift wurde von ihm mit leichter Hand über die Wand geführt. Der Museumsdirektor Walter Smerling hatte den Künstler gebeten, den Titel der Ausstellung auf die Wand am Eingang zu schreiben. Und der Künstler schrieb seinen Namen: Abraham David Christian. „Und jetzt noch den Titel“, wurde er aufgefordert. „Das ist der Titel“, sagte der Künstler.

 

 
WAS anmaßend klingt, ist keinesfalls egozentrisch zu verstehen. Abraham David Christian, auch kurz ADC genannt, präsentiert mit der Ausstellung im Museum Küppersmühle tatsächlich nicht irgendeinen, sondern seinen Weg. Seine Suche, sein Finden, seine Wahrnehmung im Kontext der Kulturen und im Ergebnis seine Kunst.
   Der Künstler hat recht. Es geht nur so. Er kann nur aus sich heraus seine Kunst machen. Seit Jahrzehnten ist er ein Weltreisender und gehört zu denen, die nicht nur geografische Räume bereisen sondern sich mit hoher Intensität auf die Kulturen und die Natur andernorts einlässt. Heute lebt der Weltbürger an drei höchst unterschiedlichen Orten. In Deutschland in Düsseldorf, in den USA in New York und in Japan in Hayama. Der Künstler selbst beschreibt seine Situation so: „Ich bin Europäer mit amerikanischen Pass und in Japan ein priviligierter Ausländer.“
 

Hayama_7 Türme der Weisheit

Nr. 6, Bronze

 

 

Mobilität ist Teil der Persönlichkeit
 
Bereits in seiner Jugend wurde in ihm der Grundstein für Kunst gelegt. In den Niederlanden aufgewachsen besuchte die Familie an den Wochenenden regelmäßig die Museen und als Mitglied einer über die Kontinente verstreut lebenden Verwandschaft ist ihm Reisen von Kindesbeinen an vertraut. Mobilität ist Teil seiner Persönlichkeit und in jungen Jahren, als er gefragt wurde, was er lieber hätte, ein Atelier oder ein Auto, gab er dem Auto den Vorzug.
   Immer war (und ist) er auf der Suche nach dem Verbindenden, nach dem Gemeinsamen der Kulturen und was er fand, formulierte er nicht mit Worten sondern zeichnete es auf Papier oder formte es in Skulpturen. Selten ist die präsentierte Kunst so sehr mit der Person des Künstlers in Übereinstimmung wie in dieser Ausstellung.
   Deutlich ist es zu spüren: Hier wurde Kunst geschaffen, die nicht den aktuellen Zeitgeist voranstellt, nicht Aufmerksamkeit um jeden Preis erhaschen will sondern dem Betrachter anbietet, sich mit ihr still auseinander zu setzen.

Skulptur aus Bronze 2007/2009 - Abraham David Christian

 
Sieben Räume
 
Das Museum Küppersmühle widmet dem Künstler sieben Räume. Die symbolträchtige Zahl Sieben erfährt vielerlei Deutungen in unterschiedlichen Weltreligionen und prägt auch eine Reihe von Christians Werken. Augenfällig sind die „Hayama_7 : Türme der Weisheit“. Großformatige Skulpturen mit einfachen bestechenden Symmetrien und Formen sind in sich ruhende, harmonische, und trotz ihrer Größe filigran wirkende Bronzekolosse. Für die technische Produktion dieser Türme, von der Idee bis zur Realisierung, hat der Künstler Jahre gebraucht und die Unterstützung von Bau- und Flugzeugingenieuren gesucht. Die sieben Türme haben in dieser Ausstellung Premiere.
 

 

Abraham David Christian vor seinem Turm der Weisheit Nr. 5 - Hayama_7

 

   Im „Nachdenkraum“ stehen die sieben Skulpturen „Torri del Silenzio“, die Türme des Schweigens. Schweigen ist von großer Bedeutung für Christians Werk. Auch, um dieses zu verstehen. Der Künstler lehnt sich hierbei an den vom Philosophen Wittgenstein formulierten Satz „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ an und erörtert: „Schweigen ist nicht nur Nicht-Reden ... Wenn die Stille das Innerste des Menschen erreicht, öffnet sich dem Menschen das bisher Verborgene.“
   Manche spiralförmigen Skulpturen scheinen keinen Anfang und kein Ende zu besitzen. Zumindest greift das Auge diese nicht. Dabei liegt die Skulptur offen vor dem Betrachter, die sich ihm nicht entzieht und doch ihr Geheimnis nicht sofort preisgibt. Dieser Effekt der Verschlungenheit der Wege lässt sich auch anhand der Zeichnungen, die ebenfalls einen breiten Raum in der Ausstellung einnehmen, beobachten.
   Die Leichtigkeit, die sich in Christians Werken trotz der gelegentlichen Wucht an Größe und Material zeigt, verfehlt ihre meditative Wirkung nicht. Meditation bezeichnet der Künstler als eine „Technik der Geduld“, ohne die seine Kunst wenig denkbar sei.
   Doch nicht nur in jüngerer Zeit entstandene Arbeiten werden präsentiert. Ausgestellt ist ebenfalls die Gipsskulptur, mit der Abraham David Christian auf der documenta VII (1982) vertreten war.
Irmgard Ruhs-Woitschützke
 
Die Ausstellung The Way Der Weg ist bis zum 29. August 2010 zu sehen.
MKM Museum Küppersmühle für moderne Kunst
Philosophenweg 55
47051 Duisburg (Innenhafen)
Tel. 0203 / 301948-11
 
Öffnungszeiten
MI 14-18 Uhr
DO 11-18 Uhr
FR nach Vereinbarung
SA, SO und feiertags 11-18 Uhr
 
Kurator der Ausstellung: Walter Smerling
Kurator Hannover Raum: Dieter Ronte
Katalog : Kerber Verlag, 148 Seiten
Die Ausstellung wird gefördert vom Bankhaus Sal. Oppenheim
 

© rheinische-art.de

 


 

 

 

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